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Montag · 19.11.2007 · 23:26 Uhr · Stefan Strauß - handball-world.com

Ivica Belas: „Wenn ich nicht mehr aktiv bin, so werde ich mindestens als Fan dem Handball treu bleiben“

Ivica Belas ist ein Halblinker, wie ihn sich jeder Verein wünscht: Mit einem guten Wurf ausgestattet, technisch ohne Defizite ist der 30-Jährige zusätzlich auch noch sehr abwehrstark. Sein Manko als Kroate ist es, dass es in dieser großen Handballnation zu viele Spieler seiner Sorte gibt, noch dazu einige, die ein paar Prozent mehr in diesen Bereichen erreichen. Somit ist das Kapitel Nationalmannschaft für „Ivo“, der drei Jahre in Kroatien lang zusammen mit dem Aushängeschild Balic gespielt hat - nicht mehr aktuell. Beim österreichischen Vizemeister aon Fivers bestreitet Belas nach zwei Jahren in Bozen nun schon seine vierte Saison. Der in Split geborene Halblinke stellte sich handball-world.com im Interview.

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Ivica Belas spielte in Kroatien mehrere Jahre lang mit Ivano Balic in einem Team
Foto: HAGENpress.com
Die Vereinsführung gab vor dem Saisonstart die Parole „MPO auf Grund der vielen Verletzten erreichen und dann angreifen“ aus. Sehen Sie das auch so?

Ivica Belas:
„Vor der Saison war es schwer bei uns eine Prognose abzugeben. Dazu hatten wir zu viele Verletzte. Im MPO können wir aber wieder auf die Langzeitverletzten zurückgreifen und die Jagd eröffnen. Wichtig ist nur, dass sich kein weiterer Spieler wieder verletzt.“

Was waren bei den anderen Mannschaften der HLA bisher die Überraschungen?

Ivica Belas:
„Positiv auf jeden Fall Innsbruck. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so weit oben mitspielen. Nedelko Jovanovic spielt dort konstant gut und zeigt in seinem Alter ganz hohe Spitzenklasse. Mit halbem Aufwand beim Training ginge so etwas nicht. Negativ fielen mir Tulln, Linz und besonders Hard auf. Ich kann nicht verstehen, wie die mit einem solchen Kader – der besser als der von Bregenz besetzt ist – schon so viele Punkte haben liegen lassen können.

Und welche Spieler haben Sie in der HLA überrascht?

Ivica Belas:
„Dafür ist die Saison noch zu jung. Gegen die meisten haben wir ja erst einmal gespielt. Erstaunlich ist die Entwicklung von Roland Schlinger. Der hat in Spanien enorm viel dazugelernt. Auch die Legionäre von Hard sind sehr gut. Bei uns hat mich Simon Hahn überrascht. Von ihm hatte ich mir vor der Saison nicht so viel erwartet. Nun – wo sich mittlerweile jeder Gegner auf ihn einstellen konnte – zeigt er immer noch gute Leistungen, kann richtig mitspielen und sich den neuen Situationen schnell anpassen.“

Jeder kann sich ja vorstellen, dass eine Fahrt nach Bregenz oder Hard ein sehr aufwendiges Unternehmen ist, und das nicht nur zeitlich. Wie aber sieht das konkret aus?

Ivica Belas:
Morgens um 7.10 Uhr treffen wir uns mit der Mannschaft. Um 7.30 Uhr fährt dann der Zug vom Westbahnhof ab. Gegen halb Fünf kommen wir dann in Vorarlberg an. Wenn man aus dem Zug aussteigt, ist man müde und verspürt absolut keine Lust mehr Handball zu spielen. Bis zum Spielbeginn vertreibt man sich die Zeit mit Spazieren gehen, Kaffee trinken oder dem U21-Spiel. Um halb Eins morgens geht es nach dem Spiel wieder in den Zug, der um 08.01 Uhr am Westbahnhof ankommt. Diese Zeiten kenne ich mittlerweile auswendig. Danach geht es in die U-Bahn, dann ins Auto und ab ins Bett. Den Rest des Tages haben wir spielfrei.“

Wie würden Sie einige Mitspieler bei den Fivers beschreiben?

Ivica Belas:
Sergej Bilyk kann ich immer verarschen. Das macht mir riesig Spaß. Wenn er vielleicht in Kürze einen Internetzugang bekommt, so habe ich jedoch bald ein Problem. Thomas Bauer ärgert sich immer extrem, wenn er im Fußball oder Basketball beim Training verliert. Leider spiele ich immer zusammen mit ihm Basketball. Vytas Ziura ist der absolute Kopf der Mannschaft, der Spaßvogel der Mannschaft schlechthin und beim Training der absolute Antreiber. Er hilft den jüngeren Spielern, wo immer er nur kann und steht ihnen mit Rat&Tat; zur Seite. Michael Gangel ist wahnsinnig routiniert. Es tut mir leid, ihn während unserer Trainingseinheiten neben der Spielfläche bei Reha-Maßnahmen zu sehen. Das Gleiche gilt fast für Martin Abadir, was ebenfalls für uns ärgerlich ist. Aber nun kann er uns endlich wieder helfen. Björn Tyrner und Matthias Kienzer sind eigentlich ganz normale, ruhige Typen, aber das soll ein Kompliment sein. Jörg Merten ist unser Kassenwart. Ein schlechter, da gut und streng. Vadym Komarenko redet unglaublich viel, kann nach außen hin aber auch mal „Nix verstehen“ sagen. Zu Romas Magelinskas und Thomas Menzl kann ich nichts sagen, da sie meine Chefs sind. Peter Eckl ist ein echt cooler Typ. Es gibt nicht viele Menschen wie ihn, die ich so sehr schätze. Er ist ein sehr guter Freund geworden.“

Apropos Verletzungen: Woran liegt es, dass bei den Fivers so viele Spieler ständig ausfallen und die Legionäre davon verschont bleiben?

Ivica Belas:
“Ich weiß es auch nicht. Wir trainieren ja alle gleich. Mittlerweile haben wir auch ab und an Ruhephasen eingebaut und arbeiten eng mit einem medizinischen Institut zusammen. Ich blieb bisher von größeren Verletzungen verschont, hatte jedoch auch mal einen halben Kreuzbandriss und plage mich derzeit mit einer leidigen Bauchmuskelzerrung herum, die zwei Wochen, aber auch weit über einen Monat andauern kann.“

Haben Sie sich schon mal Gedanken über die Zeit nach dem aktiven Handball als Spieler gemacht?

Ivica Belas:
„Darüber macht sich wohl jeder Spieler früher oder später Gedanken. Ich habe in Kroatien vor einigen Jahren Sport studiert und habe dort den Rang eines Professors. Diesen Titel kann man jedoch nicht mit dem gleichnamigen hier in Österreich vergleichen. Je nachdem – ob ich Sport lehren oder im Handball etwas machen will – werde ich wohl noch ein, zwei Scheine machen müssen. Wenn ich nach meiner aktiven Zeit als Spieler jedoch nicht beruflich im Handball einsteige, so bleibe ich diesem schönen Sport mindestens als Fan erhalten. Versprochen!“

Herr Belas, vielen Dank für das Interview.

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