Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)

Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)
Pestizide
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Jüngste Entwicklungen

Die Europäische Kommission machte am 12. Juli 2006 einen neuen Vorschlag für eine Richtlinie für das Inverkehrbringen von Pflanzen­schutz­mitteln. Dieser zielt darauf ab, im Wesentlichen die nationalen Zulassungsverfahren für Pflanzen­schutzmittel zu verbessern und zu vereinfachen und die Rolle der EFSA bei der Bewertung auf EU-Ebene zu verankern. In diesem Vorschlag wird die Frist für die Peer Review jedes Wirkstoffes auf 3 Monate beschränkt (gegenüber 10 Monaten im aktuellen Überprüfungsprogramm). Falls der Vorschlag angenommen wird, würde er die Richtlinie 91/414/EWG ersetzen. Es ist anzunehmen, dass die wissenschaftliche Arbeit der EFSA an den beiden verbleibenden Phasen des laufenden Peer-Review-Verfahrens existierender Wirkstoffe wie ursprünglich vorgesehen weiter läuft und nicht direkt durch die Verabschiedung der neuen Verordnung beeinflusst wird. Es ist jedoch zu erwarten, dass eine zukünftige Neubewertung aller genehmigten Wirkstoffe, die in den kommenden Jahren auf den Markt kommen, von einer Revision der bestehenden Rechtsvorschriften betroffen ist. neuen Vorschlag für eine Richtlinie für das Inverkehrbringen von Pflanzen­schutz­mitteln

Der Begriff „Pestizide” wird oft synonym mit Pflanzenschutzmitteln verwendet, die im Wesentlichen in der Landwirtschaft verwendet werden, um Feldfrüchte gesund zu halten und ihrer Zerstörung durch Krankheiten und Befall von Ungeziefer vorzubeugen. Dies ist die wichtigste Gruppe von Pestiziden, mit der sich die EFSA befasst und für die es bereits am längsten Rechtsvorschriften gibt.
Pflanzenwachstumsregulatoren (zur Beeinflussung spezieller Wachstumsprozesse bei Pflanzen) und Herbizide (zur Kontrolle unerwünschten Pflanzenwuchs), werden ebenfalls als Pflanzenschutzprodukte unter EU-Rechtsvorschriften behandelt. Biozide hingegen, mit denen verschiedene Schädlinge und Überträger von Krankheiten wie Insekten, Ratten und Mäuse kontrolliert werden sollen, die aber nicht für Pflanzen bestimmt sind, fallen nicht in den Zuständigkeitsbereich der EFSA.
Die in Pflanzenschutzmitteln verwendeten Wirkstoffe sind die Chemikalien oder Mikroorganismen einschließlich Viren, die als wesentliche Bestandteile das Produkt in die Lage versetzen, seine Funktion zu erfüllen. Zum Beispiel können sie das Produkt gegen Insekten oder Pilze schützen, die Pflanzen zerstören, oder, im Fall von Herbiziden, unerwünschte Pflanzen vernichten. Ein Großteil der Risikobewertungsarbeit der EFSA im Bereich der Pestizide konzentriert sich gerade auf diese Wirkstoffe.

Pestizide in der Europäischen Union

In der EU werden Pestizide zum Schutz von Pflanzen oder Pflanzenprodukten hauptsächlich von der Richtlinie 91/414/EWG über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln reguliert. In dieser  Richtlinie ist festgelegt, dass Chemikalien oder Mikroorganismen (einschließlich Viren) in Pestiziden nur zugelassen werden, wenn sie einer Überprüfung („Peer Review“) der Sicherheitsbewertung  unterzogen wurden. 1993 hat die Europäische Kommission ein umfassendes Programm zur Überprüfung eingeführt (das die Peer Review von Wirkstoffen in Pflanzenschutzmitteln unter der Leitung der EFSA umfasst), um die Sicherheit aller in Pflanzenschutzmitteln in der EU verwendeten Wirkstoffe zu bewerten. Diese Arbeit soll 2008 abgeschlossen sein. Alle Anwendungen im Pflanzenschutz sind damit abgedeckt. Sobald ein Wirkstoff genehmigt ist, können die Mitgliedstaaten die Verwendung der Pflanzenschutzmittel, die diesen Wirkstoff enthalten, zulassen.

Die Arbeit der EFSA im Bereich der Pestizide
 
Die EFSA hat die Aufgabe, der Europäischen Kommission und den EU-Mitgliedstaaten unabhängige wissenschaftliche Empfehlungen zu Pestiziden zu geben, und ist außerdem in Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedstaaten für die Peer Review von Wirkstoffen in Pflanzenschutzmitteln verantwortlich.
 
Mit der Risikobewertung von Pestiziden soll gewährleistet werden, dass diese Produkte bei korrekter Anwendung keine direkte oder indirekte schädliche Wirkung auf Menschen oder Haustiere haben (z. B. über Trinkwasser, Nahrungs- oder Futtermittel) und keine nachteilige Wirkung auf die Qualität des Grundwassers haben. Darüber hinaus zielt die Umweltrisikobewertung darauf ab, den potenziellen Einfluss auf in der freien Natur lebende nicht anvisierte Organismen bei korrekter Verwendung des Produkts zu charakterisieren.
 
Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten Managemententscheidungen in Zulassungsangelegenheiten treffen, dazu gehört auch die Zulassung von Wirkstoffen und die Festlegung von Rückstandshöchstmengen. Diese Entscheidungen werden nicht von der EFSA getroffen.
 

In der EFSA arbeiten die Arbeitsgruppe „Peer Review der Risikobewertung von Pestiziden“ (PRAPeR) und das Wissenschaftliche Gremium für Pflanzenschutzmittel und ihre Rückstände (PPR) in diesem Bereich.

  • Arbeitsgruppe „Peer Review der Risikobewertung von Pestiziden“ (PRAPeR)
Seite Mitte 2003 ist die EFSA für Europas Produkt-Peer Review von Wirkstoffen in Pflanzenschutzmitteln zuständig. Diese Aufgabe wird von der Arbeitsgruppe „Peer Review der Risikobewertung von Pestiziden“ (PRAPeR) der EFSA gemäß den gesetzlich vereinbarten Verfahren und Fristen durchgeführt. Die Rechtsvorschriften verlangen bis 2008 die Überprüfung aller Wirkstoffe, die 1993 auf dem EU-Markt waren.
 
Die Arbeitsgruppe PRAPeR der EFSA ist auch an der Risikobewertung von Rückstands­höchstmengen gemäß den Bestimmungen der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 beteiligt. Die PRAPeR-Arbeitsgruppe ist an der Bewertung der Sicherheit der vorgeschlagenen vorläufigen europäischen Rückstandshöchstmengen für eine Reihe von Substanzen zuständig, für die bisher keine einheitlichen EU-Höchstmengen vereinbart wurden.

 

Das Wissenschaftliches Gremium für Pflanzenschutzmittel und ihre Rückstände (PPR) der EFSA gibt wissenschaftliche Empfehlungen zu Aspekten, die nicht innerhalb der Peer Review von Wirkstoffen in Pflanzen­schutz­mitteln gelöst werden können, oder wenn eine weitergehende wissenschaftliche Unterweisung zu allgemeineren Themen notwendig ist, meist im Bereich der Toxikologie, Ökotoxikologie oder zum Verbleib und Verhalten von Pestiziden.
 
Die Europäische Kommission ersucht außerdem das PPR-Gremium um wissenschaftliche Gutachten über Rückstände von Pestiziden in Bereichen außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der PRAPeR-Arbeitsgruppe.
 
Weitere Informationen finden Sie unter PPR-Gutachten.

Das PPR-Gremium hat die Aufgabe, die bestehenden Leitfäden zu überarbeiten und zu aktualisieren und neue Leitfäden für die Risikobewertung zu erstellen. Als erstes sollen die Richtlinien zur Risikobewertung für Vögel und Säugetiere im Rahmen der Richtlinie 91/414/EWG des Rates aktualisiert werden. Diese Arbeit soll bis Ende 2007 abgeschlossen werden, worauf 2008 weitere Punkte folgen.

Was sind Leitfäden?
 
Die Leitfäden bieten eine Orientierung für meldende Organisa­tionen und Mitgliedstaaten, wie eine Risikobewertung für einen speziellen Bereich im Zusammenhang mit der Peer Review von Wirkstoffen in Pflanzenschutzmitteln durchzuführen ist.

Diese Dokumente haben keine rechtlich bindende Wirkung und beeinflussen ihrem Wesen nach keine Maßnahmen, die ein Mitgliedstaat im Rahmen der Umsetzungs­vorrechte gemäß Anhang II, III und VI der Richtlinie 91/414/EWG vornimmt, noch irgendeinen Fall, den die Rechts­vorschriften im Hinblick auf diese Bestimmungen vorgesehen hat. Außerdem schließen diese Leitfäden nicht die Möglichkeit aus, dass der Europäische Gerichtshof der einen oder anderen Bestimmung in den Mitgliedstaaten direkte Wirkungen zusprechen kann.