EFSA ::. Die Rolle von Lebensmitteln beim Kontakt des Menschen mit gegen antimikrobielle Stoffe resistenten Bakterien

Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)

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Pressemitteilung
17 April 2008

Die Rolle von Lebensmitteln beim Kontakt des Menschen mit gegen antimikrobielle Stoffe resistenten Bakterien

Die Rolle von Lebensmitteln beim Kontakt des Menschen mit gegen antimikrobielle Stoffe resistenten Bakterien
Die Anwendung von antimikrobiellen Stoffen[1] in der Tier-, Pflanzen- und Lebensmittelproduktion trägt zu einer steigenden Zahl und Vielfalt von resistenten Bakterien und von aus Bakterien stammenden resistenten Genen bei, die über die Nahrung an den Menschen weitergegeben werden können, wie das BIOHAZ-Gremium[2] der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit heute in einem als Eigenmaßnahme[3]erstellten Gutachtenentwurf mitteilte. Die EFSA hatte das BIOHAZ-Gremium ersucht, vom Standpunkt der öffentlichen Gesundheit aus festzustellen, inwiefern Lebensmittel als Überträger von Resistenzen gegen antimikrobielle Stoffe dienen. Das BIOHAZ-Gremium hat eine öffentliche Konsultation zu diesem Gutachten und einen Aufruf zur Einreichung weiterer wissenschaftlicher Daten, jeweils mit einer Frist bis zum 27. Mai 2008, gestartet.
 
Dem Gutachtenentwurf zufolge kann die Einhaltung allgemeiner Grundsätze, die für die Vorbeugung und Kontrolle der Übertragung schädlicher Bakterien auf den Menschen über die Nahrung gelten, einschließlich der andauernder Bemühungen um Verbesserung der Hygiene auf allen Ebenen der Nahrungsmittelkette, zur Vorbeugung und Eindämmung der Übertragung von gegen antimikrobielle Stoffe resistenten Bakterien beitragen.
 
„Um alle Wege zu kontrollieren, durch die gegen antimikrobielle Stoffe resistente Bakterien und ihre entsprechenden Gene zum menschlichen Patienten gelangen können, wobei Lebensmittel nur einen dieser Wege darstellen, ist eine Reaktion aller Interessenvertreter notwendig, die sich ihrer Verantwortung zur Vorbeugung sowohl der Entwicklung als auch der Ausbreitung einer antimikrobiellen Resistenz im Rahmen ihres jeweiligen Fachgebietes bewusst sind – sei es in der Medizin, der Tiermedizin, der zum Zwecke der Erzeugung von Grundnahrungsmitteln betriebenen Tierhaltung, der Lebensmittelverarbeitung oder der Lebensmittelherstellung“, erläuterte das Gremium in seinem Gutachtenentwurf.
 
Antimikrobielle Resistenz bei Bakterien ist ein zunehmendes Problem, da antimikrobielle Stoffe bei der Bekämpfung von Infektionen beim Menschen an Wirksamkeit einbüßen. Gleichzeitig ist ein Anstieg der bakteriellen Resistenz gegen antimikrobielle Stoffe auch in Tierpopulationen festzustellen. Resistente Salmonella und Campylobacter, die beim Menschen an Erkrankungen beteiligt sind, werden hauptsächlich über Lebensmittel verbreitet. Lebensmittel, die solche gegen antimikrobielle Stoffe resistente Bakterien enthalten, sind vor allem Geflügelfleisch, Eier, Schweinefleisch und Rindfleisch. Bedenklich ist auch die Kontamination während der Herstellung, Handhabung und Verarbeitung frischer Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs, wie beispielsweise von Salaten.
 
Das Gremium identifizierte mehrere Möglichkeiten, wie gegen antimikrobielle Stoffe resistente Bakterien in Lebensmittel und durch diese zum Menschen gelangen könnten:
 
-         Übertragung von Bakterien mit Resistenz gegen antimikrobielle Stoffe direkt auf den Menschen durch kontaminierte Lebensmittel, die von Tieren stammen, die Träger resistenter Bakterien sind, wobei sich diese Bakterien nach dem Verzehr im Menschen ansiedeln oder den Menschen infizieren können;
-         Aufnahme von Bakterien mit Resistenz gegen antimikrobielle Stoffe aus frischen Naturprodukten, die von Böden stammen, die kürzlich mit kontaminiertem Wasser in Kontakt gekommen sind, welches solche Bakterien enthielt;
-         Übertragung einer antimikrobiellen Resistenz auf die natürliche Darmflora des Menschen durch beim Verzehr von Lebensmitteln tierischen und nicht tierischen Ursprungs aufgenommene Bakterien mit antimikrobieller Resistenz. Die Lebensmittel können dabei während der Handhabung und Herstellung kontaminiert worden sein.
 
Das Gremium empfahl, diese möglichen Kontaminationswege und die derzeit vorhandenen Kontrollmaßnahmen unter Berücksichtigung der neuesten wissenschaftlichen Daten zu prüfen.
 
Das Gremium wies außerdem darauf hin, dass Bakterien, die bei Herstellungs- und Konservierungsverfahren absichtlich in Lebensmittel und die Nahrungskette eingeführt werden, wie beispielsweise Fermentationskulturen und Probiotika, gelegentlich eine Resistenz gegen antimikrobielle Stoffe aufweisen und deshalb ebenfalls als möglicher Weg für die Übertragung einer antimikrobiellen Resistenz durch Lebensmittel zu betrachten sind.
 
Nach Ansicht des Gremiums können Lebensmittelprodukte tierischen Ursprungs einen möglichen Weg für die Infektion des Menschen mit Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus[4]und damit ein neues Risiko in Zusammenhang mit Lebensmitteln darstellen. Das Gremium wies aber auch darauf hin, dass die derzeit vorliegenden Daten nicht nur auf ein Risiko für Krankenhauspatienten, sondern auch auf ein unmittelbareres berufsbedingtes Risiko für Schweinelandwirte und Schlachthofpersonal hindeuten. (MRSA)
 
Die Konsultation zu dem Gutachtenentwurf läuft bis zum 27. Mai 2008. Der Gutachtenentwurf ist verfügbar unter: http://www.efsa.europa.eu/EFSA/efsa_locale-1178620753824_1178700895856.htm
 
Zur Einreichung schriftlicher Kommentare zu dem Gutachtenentwurf: http://www3.efsa.europa.eu/cf/consultation.cfm?doc=24
 
 
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[1] Antimikrobielle Stoffe sind Stoffe, die gegen Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten gerichtet sind. Antibiotika zum Beispiel sind antimikrobielle Stoffe, die zum Abtöten von Bakterien verwendet werden.
[2] Gremium für Biologische Gefahren.
[3] Ein als Eigenmaßnahme erstelltes Gutachten bzw. durchgeführte Aktivität betrifft generell einen wichtigen Sachverhalt im Zusammenhang mit der Risikobewertung, welchen die EFSA im Rahmen ihres laufenden Arbeitsprogramms an Aktivitäten ermittelt und behandelt.
[4] Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus ist ein Bakterium, das die Fähigkeit entwickelt hat, die Behandlung mit einigen der gängigsten Antibiotika zu überleben, und ist für schwierig zu behandelnde Infektionen beim Menschen verantwortlich.