Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)

Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)
Bisphenol A FAQs
Häufig gestellte Fragen zu Bisphenol A

Was ist Bisphenol A (BPA)?
Bisphenol A (BPA) ist eine chemische Substanz, die zusammen mit anderen Chemikalien vor allem zur Herstellung von Kunststoffen und Harzen verwendet wird. Es wird seit vielen Jahren bei der Herstellung dieser Materialien eingesetzt. BPA ist auch unter seiner chemischen Bezeichnung, nämlich 2,2-Bis(4-hydroxyphenyl)propan, bekannt.

Wie kommt es in unsere Nahrung?
BPA wird für Polycarbonat, einen transparenten, harten Kunststoff, verwendet. Polycarbonat wiederum wird zur Herstellung von Lebensmittelbehältnissen, wie Mehrweg-Getränkeflaschen, Babyflaschen, Essgeschirr (Teller und Tassen) sowie Aufbewahrungsbehälter verwendet.

Rückstände von BPA finden sich auch in Epoxidharzen, die als Schutzbeschichtungen und Innenauskleidungen für Lebensmittel - und Getränkedosen und - fässer verwendet werden.

Geringe Mengen von BPA können von Polycarbonatkunststoffen oder Epoxidharzbeschichtungen in Lebensmittel und Getränke übergehen. Außerdem kann BPA in Lebensmittel migrieren, wenn der Kunststoff bzw. das Harz beschädigt ist oder sich zersetzt.

Ist die Verwendung von BPA in Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, in der EU gesetzlich zugelassen?
Ja. BPA ist in der Europäischen Union zur Verwendung in Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, zugelassen . Auch in anderen Ländern, z. B. in den USA und in Japan, ist es für diesen Verwendungszweck erlaubt.

Warum gibt es Bedenken gegenüber BPA?
BPA gehört zu einer Reihe von Chemikalien, die möglicherweise auf Hormonsysteme im Körper einwirken können (so genannte ’Endocrine Disrupter’). Bereits seit den 1930er Jahren ist bekannt, dass BPA ähnlich wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen wirken kann. Die Auswirkungen auf Fruchtbarkeit und Fortpflanzung sowie das endokrine System (Hormonsystem) werden im Zusammenhang mit Berichten über Wirkungen niedriger Dosen von BPA bei Nagetieren wissenschaftlich kontrovers diskutiert.

Warum hat die EFSA eine Neubewertung von BPA durchgeführt?
Seit der letzten Bewertung durch den Wissenschaftlichen Ausschuss für Lebensmittel (Scientific Committee on Food - SCF) der Europäischen Kommission im Jahr 2002 sind etwa 200 wissenschaftliche Arbeiten über BPA veröffentlicht worden. Deshalb war eine Neubewertung der Daten, einschließlich dieser neuen Studien, erforderlich. Sie wurde vom Wissenschaftlichen Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe, Aromastoffe, Verarbeitungshilfsstoffe und Zweigenerationenstudie Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen (dem AFC-Gremium), der EFSA durchgeführt. http://www.efsa.europa.eu/de/science/afc/afc_opinions/bisphenol_a.html

Was hat sich seit der letzten Sicherheitsbewertung von BPA geändert?
Weitere Studien, u.a. auch eine kürzlich veröffentlichte Zweigenerationenstudie an Mäusen, haben den Experten zusätzliche, bisher fehlende Daten geliefert. Gestützt auf weitere Hinweise über signifikante Unterschiede zwischen Menschen und Tieren sowie auf noch aussagekräftigere wissenschaftliche Beweise, die die Unsicherheiten über das im Gutachten von 2002 berücksichtigte Ausmaß des Risikos weiter verminderten, hat das Gremium das Gutachten von 2002 neu bewertet.

Zu welchem Ergebnis ist das Gremium gekommen?
Das Gremium gelangte nach einer umfassenden Überprüfung aller verfügbaren Daten zu dem Ergebnis, dass statt einer vorläufigen nun eine ‚feste’ tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (Tolerable Daily Intake, TDI) festgelegt werden kann. Die Belastung der Menschen mit BPA durch die Nahrung, die auch Säuglinge und Kinder einschließt, liegt deutlich unter dem neuen TDI-Wert.

Gibt es einen besonderen Grund zur Besorgnis bei Säuglingen und Kindern ?
Bei der Beurteilung schenkte das Gremium Säuglingen und Kindern besondere Aufmerksamkeit, da sie gemessen am Körpergewicht zu den Gruppen mit der höchsten potenziellen Exposition von BPA durch die Ernährung gehören. Die Schätzungen des Gremiums zu den Aufnahmemengen beruhten auf vorsichtigen Annahmen („Worst-Case“-Schätzungen). Die potenziellen Aufnahmemengen für Säuglinge und Kinder wurden als deutlich unter dem TDI-Wert liegend eingeschätzt.

Wie viel BPA kann man ohne Gesundheitsschädigung aufnehmen?
Ein 3 Monate altes Flaschenkind mit einem Gewicht von etwa 6 kg müsste mehr als das Vierfache der üblichen Anzahl an Flaschen mit Säuglingsnahrung pro Tag zu sich nehmen, um den TDI-Wert zu erreichen.

ALLGEMEINE INFORMATIONEN

Was versteht man unter einer tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge (Tolerable Daily Intake - TDI)?
Der TDI-Wert ist die auf der Basis des Körpergewichts geschätzte Menge eines Stoffes, die ohne nennenswertes Risiko ein Leben lang täglich aufgenommen werden kann.

Warum wurde der TDI-Wert zunächst nur vorläufig festgelegt und ist nun ein ‚fester’ Wert?
Ein vorläufiger TDI-Wert wird festgelegt, wenn es Unsicherheiten in den Daten gibt, die durch weitere Studien beseitigt werden können und man weiß, dass in Kürze grundlegende neue Daten zur Verfügung stehen werden.

Im Falle von BPA setzte der Wissenschaftliche Ausschuss für Lebensmittel (Scientific Committee on Food - SCF) 2002 unter Anwendung eines zusätzlichen Unsicherheitsfaktors, der 5 mal so hoch wie der normalerweise verwendete Faktor von 100 war, einen vorläufigen TDI-Wert fest. Der Grund dafür war, dass damals vollständige Daten aus reproduktions- und entwicklungstoxikologischer Studien fehlten. Die im Oktober 2006 veröffentlichten Ergebnisse der neuen Zweigenerationenstudie an Mäusen und andere Studien aus den letzen vier Jahren schlossen die bestehende Datenlücke, so dass das AFC-Gremium in der Lage war, einen ‚festen’ TDI-Wert von 0,05 Milligramm/kg Körpergewicht festzulegen, wobei der übliche 100-fache Unsicherheitsfaktor verwendet wurde.


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[1] BPA ist gemäß der Richtlinie 2002/72/EG der Kommission vom 6. August 2002 über Materialien und Gegenstände aus Kunststoff, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen, in der Europäischen Union zur Verwendung in Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, zugelassen. Siehe Amtsblatt der Europäischen Union L39 vom 13.2.2003, S. 1-42.

 


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