Themen A-Z

Antibiotikaresistenz

Antibiotikaresistenz

Antimikrobielle Substanzen sind Stoffe, die angewendet werden, um Mikroorganismen abzutöten oder deren Wachstum und Vermehrung zu unterbinden. Üblicherweise werden sie in der Human- und Tiermedizin zur Behandlung von Infektionskrankheiten, beispielsweise in Form von Antibiotika, eingesetzt. Antimikrobielle Behandlungen werden außerdem bei Pflanzen und in Lebensmitteln angewendet, zum Beispiel in Form von Bioziden zur Bekämpfung pathogener Mikroben, von denen einige lebensmittelbedingte Krankheiten, wie beispielsweise Salmonella, Campylobacter und Listeria, verursachen.

Die sogenannte „Antibiotikaresistenz“ bezieht sich auf die Fähigkeit von Mikroben, antimikrobielle Behandlungen zu überleben. Dieses Problem wird von Wissenschaftlern und Politikern als Besorgnis erregend eingestuft, da die übermäßige oder fälschliche Anwendung von Antibiotikabehandlungen mit dem Auftreten und der Verbreitung von Mikroben in Zusammenhang gebracht worden ist, die gegen sie resistent sind, sodass die Wirksamkeit der jeweiligen Behandlung gegen solche Erreger aufgehoben wird. Für die öffentliche Gesundheit kann dies ein ernstes Risiko darstellen. Ein hinreichend bekanntes Beispiel ist das Methicillin-resistente Bakterium Staphylococcus aureus (MRSA), von dem einige Stämme gegen mehrere Antibiotikaklassen resistent sind.

Auf dem Gebiet der Lebensmittelsicherheit müssen die Politiker etwaige potenzielle Risiken für Verbraucher identifizieren und die besten Kontrollmöglichkeiten festgelegen, um das mit der Entwicklung einer Antibiotikaresistenz verbundene Risiko zu verringern. Wissenschaftler und Risikobewerter untersuchen derzeit die verschiedenen Faktoren, die zum Auftreten einer Antibiotikaresistenz oder deren Verbreitung über die Nahrungsmittelkette führen könnten, um Entscheidungsträgern entsprechende wissenschaftliche Beratung zur Verfügung stellen zu können.

EU-Rahmenwerk

2001 startete die Europäische Kommission eine EU-Strategie zur Bekämpfung der Bedrohung der Gesundheit des Menschen sowie der Tier- und der Pflanzengesundheit durch die Resistenz gegen antimikrobielle Mittel. Diese Strategie beinhaltete den Ausstieg aus der nichtmedizinischen Anwendung von Antibiotika bei Tieren und sah eine Reihe von Maßnahmen auf EU- sowie auf nationaler Ebene zur Datenerhebung, Überwachung, Forschung und zur Bewusstseinssteigerung vor. Eine anschließende Empfehlung des Rates zur umsichtigen Anwendung von Antibiotika, die 2002 angenommen wurde, umriss Maßnahmen in der Humanmedizin, die von den Mitgliedstaaten zur Verringerung von Antibiotikaresistenzen ergriffen werden können.

Was den Bereich der Lebensmittelsicherheit anbelangt, so gibt es eine Reihe von Maßnahmen für das Risikomanagement. EU-Gesetzgebung zur Tierernährung untersagt die Anwendung von Antibiotika zur Wachstumsförderung in Tierfuttermitteln seit Januar 2006.

Die EU-Gesetzgebung zu Zoonosen — auf den Menschen übertragbare Tierkrankheiten bzw. -infektionen wie beispielsweise die mit Salmonellen — verpflichtet die Mitgliedstaaten zur Überwachung von Tendenzen für Antibiotikaresistenz bei Zoonosen und anderen Erregern, die eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellen.

Auf internationaler Ebene arbeiten die Länder über eine Regierungsübergreifende Taskforce für Antibiotikaresistenz der Codex Alimentarius-Kommission zusammen, in der die Europäische Kommission die EU vertritt.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) organisiert in enger Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation jährlich den „European Antibiotic Awareness Day“.

Aufgabe und Aktivitäten der EFSA

Die EFSA stellt Risikomanagern wissenschaftliche Beratung zu den Risiken bereit, die durch das mögliche Auftreten, die Verbreitung und die Übertragung von Antibiotikaresistenzen auf den Menschen über die Nahrungsmittelkette für die Gesundheit des Menschen und die Tiergesundheit bestehen. Da dieses Problem verschiedene Sektoren der Nahrungsmittelkette berührt, verfolgt die EFSA einen integrierten Ansatz, indem sie eine Reihe von Gremien und Abteilungen der EFSA einbezieht.

Die wissenschaftliche Beratung der EFSA beinhaltet zwar entsprechende Empfehlungen zur Überwachung der Antibiotikaresistenz in der Nahrungsmittelkette, es ist jedoch Aufgabe des Gemeinschaftlichen Referenzlaboratoriums für Resistenz gegen antimikrobielle Mittel, die Kommission bei der Ausarbeitung und der Qualitätssicherung von Methoden zur Testung auf Antibiotikaresistenz zu unterstützen.

Lebensmittel als Vehikel für die Übertragung von Antibiotikaresistenzen

Im Juli 2008 legte das BIOHAZ-Gremium ein Gutachten über Lebensmittelbedingte Antimikrobiotikaresistenz als biologische Gefahr vor, in dem untersucht wird, wie Lebensmittel zu einem Vehikel für die Übertragung antibiotikaresistenter Bakterien auf den Menschen werden können. Es befasste sich mit Lebensmitteln, die mit in lebenden Tieren vorkommenden Bakterien kontaminiert waren, Frischerzeugnissen von Feldern, die kürzlich mit kontaminiertem Wasser bewässert worden waren, sowie mit Lebensmitteln, die während der Handhabung und der Zubereitung kontaminiert wurden. Das Gutachten enthielt Empfehlungen für die Prävention und die Kontrolle einer Übertragung und hob die Bedeutung der guten Hygienepraxis in jedem Glied der Nahrungsmittelkette als wesentlichen Präventions- und Kontrollfaktor hervor.

Überwachung der Antibiotikaresistenz in der Nahrungsmittelkette

Das Referat für die Datenerhebung über Zoonosen der EFSA analysiert mit Unterstützung einer Taskforce aus Fachleuten der Mitgliedstaaten Daten über Antibiotikaresistenz in Salmonella- und Campylobacter-Isolaten aus Tieren und Lebensmittelerzeugnissen tierischer Herkunft, die jährlich von den Mitgliedstaaten im Rahmen der EU-Gesetzgebung über Zoonosen vorgelegt werden. Es erstellt in Zusammenarbeit mit dem ECDC den jährlichen Kurzbericht der Gemeinschaft über Zoonosen über Trends und Quellen von Zoonosen, Zoonoseerregern und Antibiotikaresistenz in der EU. Das BIOHAZ- und das AHAW-Gremium der EFSA prüfen jeden jährlichen Bericht und erteilen Empfehlungen im Hinblick auf Präventions- und Reduzierungsmaßnahmen. Das jüngste diesbezügliche Gutachten identifizierte Antibiotikaresistenz als Risiko für die öffentliche Gesundheit und erteilte Empfehlungen, einschließlich der obligatorischen Überwachung der Anwendung von Antibiotika bei Tieren, die der Lebensmittelerzeugung dienen. Das Zoonose-Referat erhebt außerdem Daten über Antibiotikaresistenz bei anderen als den zoonotischen Mikroben im Hinblick darauf, ob sie ein Risiko für den Menschen darstellen, wie beispielsweise E. coli und die Enterokokken. Es hat Leitlinien für die harmonisierte Überwachung und Meldung von Antibiotikaresistenzen bei Tieren und in Lebensmitteln in der gesamten EU ausgearbeitet.

Risiken von MRSA aus Tieren und Lebensmitteln

Da Meldungen über das Vorkommen von MRSA in Tieren vorliegen, die der Lebensmittelerzeugung dienen, führen mehrere Mitgliedstaaten derzeit Studien durch, um die Bedeutung dieser Befunde näher zu klären. Die Taskforce zur Datenerhebung über Zoonosen der EFSA empfahl die Durchführung einer Grundlagenstudie auf EU-Ebene über die Prävalenz von MRSA in Zuchtschweinen, um die Verbreitung von MRSA bei landwirtschaftlich genutzten Tieren in der gesamten EU besser quantifizieren zu können. Sie erstellte im November 2007 einen Bericht, in dem technische Spezifikationen für eine solche europaweite Studie vorgeschlagen werden, darunter Techniken zur Probengewinnung und Analysemethoden. Die Datenerhebung in den Mitgliedstaaten hat bereits begonnen, und die EFSA wird die Ergebnisse dieser MRSA-Grundlagenstudie 2009 in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission auswerten.

Auf Initiative der EFSA selbst begann auch das BIOHAZ-Gremium im Rahmen einer eigenen Aufgabenstellung mit der Untersuchung des von MRSA in Tieren und Lebensmitteln ausgehenden Risikos für die menschliche Gesundheit. Die MRSA-Arbeitsgruppe erstellt derzeit ein wissenschaftliches Gutachten, um zu identifizieren, welche Tierarten und daraus erzeugte Lebensmittel für den Menschen das höchste Risiko darstellen und welche Kontrolloptionen das Risiko der Übertragung auf den Menschen minimieren können.

Anwendung von antimikrobiellen Dekontaminationsbehandlungen

In einigen Ländern ist es Lebensmittelerzeugungsbetrieben gestattet, antimikrobielle Dekontaminationsbehandlungen an Tierschlachtkörpern durchzuführen, um Mikroben abzutöten, die lebensmittelbedingte Krankheiten verursachen, wie beispielsweise Salmonellen- oder Campylobacter-Infektionen. Diese Maßnahme darf in der EU nicht anstelle der guten Hygienepraxis erfolgen, und ist nur dann in Erwägung zu ziehen, wenn die betreffende Substanz nachweislich sicher und wirksam ist.

Das BIOHAZ- und das frühere AFC-Gremium der EFSA haben für die Kommission wissenschaftliche Beratung zur Sicherheit und Wirksamkeit solcher Vorgehensweisen bereitgestellt. 2008 untersuchte das BIOHAZ-Gremium die mögliche Entwicklung einer Antibiotikaresistenz in Zusammenhang mit vier Substanzen, die zur Behandlung von Geflügelschlachtkörpern eingesetzt werden. Den Feststellungen des Gremiums zufolge gibt es keine veröffentlichten Daten, die zeigen, dass die vier Substanzen zu einer erhöhten bakteriellen Toleranz gegenüber den jeweiligen Substanzen oder zu einer erhöhten Resistenz gegen therapeutische Antibiotika und andere antimikrobielle Mittel führen. Im Anschluss an diese Arbeit will das BIOHAZ-Gremium in enger Zusammenarbeit mit dem Referenzlabor für Antibiotikaresistenz der Gemeinschaft und zur weiteren Unterstützung der Kommission seine technischen Leitlinien aktualisieren, in denen es unter anderem um die Überwachung und Erhebung von Daten über Antibiotikaresistenz in Verbindung mit Dekontaminationsbehandlungen geht.

Tierfuttermitteln zugesetzte Mikroorganismen 

Mikroorganismen können in Tierfuttermitteln beispielsweise verwendet werden, um Gesundheitsproblemen vorzubeugen oder die Leistung in Bezug auf die Nahrungsmittelerzeugung zu steigern. Die EU-Gesetzgebung über Futtermittelzusatzstoffe verlangt, dass diese frei von Antibiotikaaktivität sein müssen und hinsichtlich einer Resistenz gegen in der Human- und Tiermedizin angewendete Antibiotika zu testen sind. Das FEEDAP-Gremium befasst sich mit der Bewertung der Sicherheit von Zusatzstoffen für Tierfuttermittel, d. h. auch mit den Risiken in Verbindung mit einer Antibiotikaresistenz, bei der Mikroorganismen beteiligt sind. Um zu gewährleisten, dass die Bewertungen der EFSA auch weiterhin im Einklang mit den neuesten wissenschaftlichen Ansätzen stehen, aktualisierte das Gremium im Juni 2008 die Kriterien für die Verwendung von Bakterien in Tierfuttermitteln zur Bestimmung der Risiken hinsichtlich einer Antibiotikaresistenz.

Anwendung von Antibiotikaresistenzmarkergenen in GV-Pflanzen 

Markergene, die Resistenz gegen bestimmte Antibiotika kodieren, können als genetische Modifikation eingesetzt werden, um genveränderte (GV-) Zellen unter den nicht-transformierten Zellen im Wirtsorganismus leichter erkennen zu können. In einem 2004 erstellten wissenschaftlichen Gutachten untersuchte das GMO-Gremium der EFSA die durch diese Praxis verursachten möglichen Risiken durch Gentransfer von GV-Pflanzen auf schädliche Mikroben. Das Gremium befasste sich 2007 im Rahmen einer wissenschaftlichen Stellungnahme mit der Möglichkeit einer gesteigerten Antibiotikaresistenz bei Mensch und Tier sowie bei Organismen in der breiteren Umgebung als Ergebnis eines Gentransfers des Antibiotikaresistenzmarkergens npt2. Derzeit (2008) arbeitet die EFSA an einem konsolidierten wissenschaftlichen Gutachten über die Anwendung von Antibiotikaresistenzgenen in GV-Pflanzen, wobei das zuvor erstellte wissenschaftliche Gutachten berücksichtigt wird. Die EFSA ist bestrebt, in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMEA) und anderen wissenschaftlichen Instituten mit einschlägiger Fachkenntnis die Anwendung und Bedeutung der Antibiotika zu charakterisieren, gegen die diese Gene Resistenz kodieren.

Wissenschaftliche Dokumente  
Joint Opinion on antimicrobial resistance (AMR) focused on zoonotic infections

Veröffentlicht: 16 November 2009  Angenommen: 28 Oktober 2009

Technical Guidance: Microbial Studies

Veröffentlicht: 21 Oktober 2008  Angenommen: 21 Oktober 2008