Dekontamination von Schlachtkörpern

Dekontamination von Schlachtkörpern

Dekontaminationsbehandlungen beinhalten das Auftragen einer chemischen Substanz auf Tierkadaver während der Schlachtung zur Verringerung von Verunreinigungen durch Mikroben wie Salmonellen oder Campylobakter. Nach den in der EU geltenden Regelungen sind alle Nahrungsmittelhersteller an gute Hygienepraktiken vom Erzeuger bis zum Verbraucher gebunden, damit sichergestellt ist, dass tierische Lebensmittelerzeugnisse keine pathogenen Mikroben aufweisen. Neben der Verwendung von Wasser zur Reinigung der Schlachtkörper dürfen Dekontaminationsbehandlungen nicht als Ersatz für gute Hygienepraktiken dienen und kommen nur dann in Frage, wenn sich eine Substanz als sicher und wirksam erwiesen hat.

EU-Rahmenwerk

Nach der Verordnung (EG) Nr. 853/2004 dürfen Dekontaminationsbehandlungen als Ergänzung zu guten Hygienepraktiken in Betracht gezogen werden. In der EU sind derzeit keine Dekontaminationsbehandlungen zugelassen, aber die Praxis ist in einer Reihe von anderen Ländern weltweit zulässig. In der EU müssen Risikomanager sicherstellen, dass zuerst die Sicherheit und Wirksamkeit aller derartigen Substanzen im Hinblick auf die Verringerung einer mikrobiellen Kontamination aufgezeigt wird, bevor sie zugelassen werden können. Die EU-Behörden müssen außerdem der Möglichkeit gewahr bleiben, dass Mikroorganismen Resistenzen gegen solche Substanzen als Resultat deren Gebrauchs entwickeln.

Rolle und Aktivitäten der EFSA

EFSA hat ein Mandat zur wissenschaftlichen Beratung von EU-Risikomanagern über Sachverhalte in Bezug auf Dekontaminationsbehandlungen. Die Kommission hat die EFSA um wissenschaftliche Gutachten über die Sicherheit und Wirksamkeit einer Reihe von Substanzen gebeten, insbesondere solcher, die für die Anwendung auf Geflügelschlachtkörper bestimmt sind. Die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten müssen entscheiden, ob sie solche Praktiken in der EU zulassen oder nicht.

Im Jahr 2006 veröffentlichten das AFC- und das BIOHAZ-Gremium der EFSA technische Leitliniendokumente für Unternehmen, in denen beschrieben ist, welche Daten erforderlich sind, um Sicherheit und Wirksamkeit einer Dekontaminationsbehandlung aufzuzeigen. Das Leitliniendokument bezieht sich auf Behandlungen von Schlachtkörpern jeder Art von Tier. Das BIOHAZ-Gremium erstellte darüber hinaus 2006 ein Gutachten über die Wirksamkeit von Milchsäure zur Dekontamination von Geflügelschlachtkörpern. Diese Dokumente wiederholen bereits erteilte Empfehlungen des Wissenschaftlichen Ausschusses für veterinärmedizinische Maßnahmen im Zusammenhang mit der öffentlichen Gesundheit (Scientific Committee on Veterinary Measures relating to Public Health, SCVPH), dass antimikrobielle Behandlungen nur im Rahmen eines auf die gesamte Lebensmittelkette angewandten, voll integrierten Kontrollprogramms als ergänzende Maßnahme zur Reduzierung der mikrobiellen Belastung von Schlachtkörpern in Betracht gezogen werden sollten.

Auf Ersuchen der Europäischen Kommission hat die EFSA mehrere Substanzen untersucht, die in anderen Regionen der Welt angewendet werden, um Geflügelschlachtkörper zu dekontaminieren. Diese Arbeit konzentrierte sich auf vier Substanzen - Chlordioxid, angesäuertes Natriumchlorit, Trinatriumphosphat und Peroxysäuren. Ein 2005 verfasstes Gutachten des AFC-Gremiumsgelangte zu dem Schluss, dass diese Substanzen unter den vorgeschlagenen Anwendungsbedingungen keinen Anlass zu Sicherheitsbedenken geben würden. Allerdings wurde das BIOHAZ-Gremium der EFSA gebeten, die Daten über die Wirksamkeit von Peroxysäuren zu prüfen – der einzigen Substanzart, deren Wirksamkeit untersucht worden ist –, wobei das Gutachten des BIOHAZ-Gremiumsaufgrund unzureichender Daten nicht abschließend feststellen konnte, ob diese Substanz pathogene Bakterien auf Geflügelschlachtkörpern wirksam abtötet oder verringert.

Ein 2008 erstelltes Gutachten des BIOHAZ-Gremiums der EFSAuntersuchte die mögliche Entwicklung einer antimikrobiellen Resistenz in Verbindung mit denselben vier Substanzen für die Dekontamination von Geflügelschlachtkörpern. Es gelangte zu dem Schluss, dass keine Daten vorliegen, um zu zeigen, dass die Anwendung dieser Substanzen zu einer bakteriellen Toleranzsteigerung gegenüber diesen Substanzen bzw. einer erhöhten Resistenz gegen andere antimikrobielle Wirkstoffe führen. Es gibt jedoch einige Hinweise auf eine bakterielle Toleranz gegen andere antimikrobielle Substanzen bzw. Biozide, die nicht Gegenstand dieses Gutachtens waren.

Die EFSA wurde nun von der Kommission gebeten, technische Leitlinien für die Überwachung und Erhebung von Daten über antimikrobielle Resistenz auszuarbeiten, damit die von der EFSA in ihrem Gutachten über die vier Substanzen festgestellten Unklarheiten beseitigt werden, wenn ein Anwender diese Substanzen für die Dekontamination von Geflügelschlachtkörpern verwenden möchte. Die EFSA schlug vor, bei dieser Untersuchung auch Gesichtspunkte der Sicherheit und Wirksamkeit zu berücksichtigen, da Daten über antimikrobielle Resistenz nicht isoliert betrachtet werden sollten. Die EFSA wird bei der Entwicklung ihrer Arbeit eng mit dem gemeinschaftlichen Referenzlabor für antimikrobielle Resistenz zusammenarbeiten.

Weitere Informationen:

Letzte Aktualisierung: 30 September 2010